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Schwäbischer DDR-Fan studiert den Osten

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Insgesamt 16 Mitglieder des Flugsportvereins Pfullendorf e.V. landeten in Großenhain

Auszug aus der Sächsischen Zeitung Online, 08.07.2013 (Bericht Henry Müller)

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Otto-Wilhelm Eberbach fungierte sozusagen als Vorhut der Flieger aus Baden-Württemberg. Er hatte die vier Stunden Flug über knapp 500 Kilometer nach Sachsen schon in der Vorwoche mit seinem Ultraleichtflugzeug vom Typ C 42 absolviert. Der 79-Jährige, der früher als Zahnarzt in Friedrichshafen tätig war, interessierte sich schon seit seiner Kindheit für die Fliegerei. „Kein Wunder, denn die Friedrichshafener waren alle Zeppeliner“, sagt er und lacht. Eberbach kannte sogar noch einige der Überlebenden der Brandkatastrophe der Hindenburg 1937 auf dem Navy-Luftschiffhafen Lakehurst nahe New York. Später gehörten Ingenieure und Flugzeugbauer von Dornier und MTU (der Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen) zu seinen Patienten. Schon 1946 begann er mit dem Modellbau, gewann mehrmals hintereinander den Europapokal im Kunstflug mit Wasserflugmodellen. Der Drang selbst am Steuerknüppel zu sitzen kam, bei ihm aber erst recht spät. Als Otto-Wilhelm Eberbach 1980 einen relativ großen Bausatz in den USA bestellt hatte und dann einen Gartenstuhl daran montierte, bei dem die Beine abgesägt waren, schwante seiner Frau Ute, dass ihr Mann nun vor ihr in die Luft gehen würde. Der Erstflug auf dem Feld hinter dem Haus verlief erstaunlich gut. Das Ultraleichtflugzeug vom Typ Hummer hatte einen Dreizylinder Zwei-Takt Motor, die Maximalgeschwindigkeit betrug 60 Kilometer pro Stunde. „Und bis 1984 gab es noch gar keine gesetzlichen Beschränkungen für ULs. Wir starteten und landeten einfach auf einer Wiese, die uns gefiel“, schwärmt Eberbach. Aber auch später machten das die Piloten der Ultraleichtflugzeuge, obwohl es verboten war. Mal schnell hinter der Autobahntankstelle landen, um dann zu Fuß einen Kanister Sprit zu holen, Café zu trinken, oder einfach nur, um auf die Toilette zu gehen ... 
Die Freunde am Werkeln hat bei Otto-Wilhelm Eberbach immer überwogen. Wie schön es sein kann, die Welt von oben zu sehen, hat er dann aber auch noch schätzen gelernt. Er liebt es nun doch, die Gegend fliegend zu erkunden. Durch seine Reisen über den Osten Deutschlands wurde er DDR-Fan. Er lässt sich viel darüber erzählen und ist nach eigenem Bekunden fasziniert, wie die Leute hier das Leben meisterten. Bei einem Besuch der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz war Eberbach ob der Tatsache sehr verwundert, dass sich der Vater eines bekannten Flugpioniers der DDR eine Westantenne aufs Haus hatte bauen lassen, wie ihm der damalige Installateur anvertraute. „Stell dir das vor, der Vater des höchstdekorierten Fliegers der DDR“, ist er jetzt noch von der scheinbaren Absurdität und Waghalsigkeit begeistert.
Der erste Vorsitzenden des Pfullendorfer Flugsportvereins, Franz Stadelhofer ist auch schon seit 1991 in Sachsen präsent. Er betreibt sowohl in Großenhain als auch in Pfullendorf ein Ingenieurbüro für Elektrotechnik und technische Gebäudeausrüstung. So lag es nahe, seine Vereinsmitglieder, zum jährlich angestrebten Vereinsausflug in seine Zweitheimat einzuladen. Ein Ausflug, den besonders Otto-Wilhelm Eberbach sehr genossen hat.